Ankündigung - Geschichte - Ich kann nicht entkommen

Samstag, 20. Februar 2016
Hallo Leute!

Ich werde euch heute einen kleinen Teil meiner selbst geschriebenen Geschichte präsentieren. Ich hoffe, ihr werdet Gefallen daran finden! :)

Kennt ihr das? Man ist so in einem Traum gefangen, dass man ihn nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Mir passiert dies jede Nacht. Ich lege mich ins Bett, schließe meine Augen und fange an zu träumen. In meinen Träumen kann ich entscheiden, wer ich sein will. Will ich das beliebteste Mädchen der Schule sein das jeden Jungen bekommen kann nur dadurch, dass sie mit den Fingern schnippt, oder will ich eher das scheue Mädchen sein, für das sich keiner interessiert, das nur wenige Leute beachten, dafür aber die richtigen?

In meinen Träumen gibt es kein richtig oder falsch, alles hat seinen Grund und man kann keine Fehler machen. Das gefällt mir so daran, dass ich keine Fehler machen kann. Denn in meinem echten Leben habe ich viele Fehler gemacht und die meisten Entscheidungen, die ich getroffen habe bleiben für immer, ich kann sie nicht mehr ändern. Ich kann weder auf "Stopp" drücken noch auf "Replay". Es hängt mir für immer hinterher, wird mich für immer verfolgen und das Schlimmste daran ist, dass ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, diesen aber nicht mehr ändern kann. Im realen Leben bin ich nicht sehr beliebt, ich bin aber auch nicht ganz unscheinbar. Eigentlich bin ich nichts von beidem. Ich bin einfach nur allein, dadurch fühle ich mich wie ein Nichts. Ich habe keine besten Freunde oder gar einen Freund, dass Einzige was ich habe, was ich kontrollieren kann, bin ich selbst und sogar das gelingt mir nicht immer.

Meine Eltern sind schon vor langer Zeit gestorben. Meine Großmutter meint, sie wären jetzt an einem besseren Ort. Ihr ganzes Geschwafel vom „Leben nach dem Tod“ kann ich einfach nicht mehr hören. Ich glaube nicht, dass es einen Himmel oder eine Hölle gibt. Ich glaube nicht an Gott oder an den Teufel. Aber mit der Alternative wäre ich auch nicht einverstanden, denn das würde bedeuten, dass meine Eltern gefangen sind, im Nichts, in der Leere, irgendwo im Kosmos und dies bereitet mir große Angst. Eigentlich ist es lächerlich, dass ich mir so viele Sorgen mache, doch so bin ich nun mal. Nur in meinen Träumen kann ich abschalten und nur in meinen Träumen kann ich meine Eltern sehen.

Vielleicht findet ihr mich seltsam oder gar depressiv, doch so ist es nicht. Es ist mir sehr wichtig, was andere von mir halten, denn nur so kann ich erahnen, was in den Köpfen der anderen vor sich geht und was sie über mich denken. Nun will ich auch noch ein bisschen von mir preisgeben. Ich heiße Chiara und bin 16 Jahre alt. Meine langen schwarzen gelockten Haare reichen mir bis zu meinem Gesäß. Ich habe schöne braune Augen, die ich früher immer als selbstverständlich angesehen hatte, genauso wie meine Haare, doch seit ich beides nicht mehr zu Gesicht bekomme, da es hier an dem Ort, an dem ich mich befinde, keinen Spiegel gibt, schätze ich beides wert.

Ich glaube, dass die Wände hier aus einer Art Kunststoff gemacht worden sind. Hier ist alles viereckig und ich fühle mich beengt – so als wäre ich in irgendetwas eingewickelt, dass ich so oft ich es auch versuche zu durchtrennen einfach nicht durchdringen kann. Habt Ihr schon eine Vorstellung von dem Ort, an dem ich mich befinde? Nein? Nun ja, ich verrate es euch. Ich bin in einer sogenannten Nervenheilanstalt, dies ist meine ganz persönliche Art von Gefängnis. Jetzt denkt Ihr sicher, dass ich verrückt bin. Dennoch bin ich es nicht. Ich bin hier, weil ich falschen Leuten vertraut habe. Ich erzählte ja schon vorhin, dass ich einige Fehler gemacht habe und dies meinte ich damit. Ich gebe euch einen guten Rat, vertraut nicht zu schnell, hinterfragt alles, egal wie glaubwürdig es erscheinen sollte. Dann werdet ihr nicht hinters Licht geführt und niemand kann euch dann etwas anhaben. Das Beste wäre, wenn ihr alleine bleibt, keine Freunde habt, keine Familie und keinen Kontakt zur Außenwelt. Es klingt verrückt, aber ihr werdet sehen, dies ist der einzige Weg, um zu vermeiden verletzt oder ausgenützt zu werden.

Mein Leben ist kein Zuckerschlecken, doch irgendwie ist es mir ganz recht, dass ich hier eingesperrt bin. Hier muss ich wenigstens nicht jeden Tag mein Lächeln vortäuschen, denn hier interessiert es niemanden, ob du glücklich bist oder nicht. Außerdem muss ich keinem irgendetwas beweisen und niemandes Vorstellungen genügen, denn den einzigen Menschen, den ich hier zu Gesicht bekomme, ist mein Pfleger und sogar er bleibt nur zwei Minuten, bis ich meine Beruhigungstabletten geschluckt habe, und verschwindet dann so schnell, wie es nur geht. Meine Großmutter kommt mich auch manchmal besuchen, doch ihre Besuche werden immer seltener. Ich glaube, alle haben Angst vor mir, aber das ist mir in dem Fall auch gleichgültig. Jeder hat seine Geschichte die erklärt, wie man so geworden ist. Die, die erklärt, warum man sich dort befindet, wo man nun ist. Die, die dir vor Augen führt, wie das Leben wirklich spielt. Und die, die du nicht mehr ändern kannst, egal wie oft du es versuchst und darüber nachdenkst. Ich würde euch gerne meine erzählen. ...